Die Bille. Bei uns vor der Tür.

Zur Abwechslung ein bisschen Unjuristisches. Weil wir Reinbek mögen, man mit der S-Bahn schnell in der Hamburger City ist (und umgekehrt auch bei uns in der Kanzlei), haben wir einen Tipp, was man hier sonst noch machen kann, außer zu uns zu kommen. Mit dem Beitrag über die Bille beteiligen wir uns an dem Bloggerprojekt „Stadt-Land-Fluss xxl“. Der schönste Fluss mit B ist natürlich die Bille bei uns vor der Tür.

Lang ist der Fluss nicht. Dafür aber ist die Bille dort, wo sie in die Elbe mündet, ganz schön breit. Würde man von dem zunächst so kleinen Bach an seiner Quelle in der Nähe von Linau gar nicht erwarten. Aber über die kommenden 65 km verbreitert er sich bis zur Mündung auf ca. 100 m. Allerdings nicht ungebremst und wild, dafür sorgt der Hamburger Hafen. Die Bille fließt auf ihrem Weg durch den Billehafen und mündet in verschiedene Kanäle, bevor sie ganz geordnet und befestigt in der Elbe landet. Der Billehafen ist übrigens ein Geheimtipp für alle Liebhaber von Industrieromantik.

Ganz anders als in Reinbek. Hier ist sie zwischen sechs und neun Meter breit. Von vielen unserer Bürofenster aus können wir sie sehen. Der Name „Bille“ leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie „weißglänzendes Wasser“. Davon merkt man heute wenig. Auffällig schön ist sie gleichwohl. Sie windet sich an unserer Kanzlei vorbei, nachdem sie zuvor beim Reinbeker Mühlenteich, direkt am Reinbeker Schloss, gestaut worden ist. Die Vogelwelt ist beeindruckend: Immer wieder gleiten Graureiher den Fluss entlang oder stehen Stunden still am Ufer; ich selbst habe schon Eisvögel am Weg nach Wohltorf beobachtet.

Die Stadt Reinbek gibt es nur einmal, doch entlang der Bille gibt es viele Ortszwillinge.
Anders als um manch anderen Fluss gab es hier zwar keine berühmte Schlacht, die die Geschichte von Völkern verändert hätte. Aber die Bille hatte stets eine Bedeutung als Grenze – mit der Auswirkungen auf die Ortschaften. Als Folge der Schlacht um Bornhöved 1227 teilte nämlich der Erzbischof von Hamburg-Bremen das Land entlang der Bille. Den südlich gelegenen Teil, im Wesentlichen den Sachsenwald, gab er dem Herzog von Sachsen-Lauenburg, den nördlichen Teil dem Grafen Adolf IV. zu Schauenburg zum Lehen. Manche der jeweils nördlich und südlich der Bille gelegenen Orte wurden aufgeteilt. Darum gibt es hier heute etwa zwei Orte mit dem Namen „Köthel“ und „Hamfelde“ in unmittelbarer Nachbarschaft. Jeden dieser Orte gibt es einmal im Kreis Stormarn und einmal im Kreis Herzogtum-Lauenburg. Beide Siedlungen wurden vermutlich ca. 1200 gegründet und kurz danach aufgespalten.

Über die Bille führt in Reinbek eine historische Brücke, die Dänenbrücke. Sie wurde 1793 errichtet und diente der Verbindung zwischen dem damals dänischen Amt Reinbek und dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg. Bis 1864 reichte Dänemark bis an die Bille – wieder war der Fluss eine wichtige Grenze. Heute verläuft ein kleiner Teil der Bille noch entlang der Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein, so im Südwesten von Reinbek. Die früher so wichtige Grenzfunktion ist heute natürlich obsolet.

Manchmal nutzen wir eine Mittagspause, um dem Trubel und der Hektik des Büroalltags zu entfliehen. Ein kleiner Spaziergang entlang der Bille sorgt für Ablenkung, Erholung und macht den Kopf frei. Sie ist immer wieder anders: Bei Hochwasser tritt die Bille über die Ufer und überschwemmt Gärten. An kalten Wintertagen bildet sich am Rand der Bille Eis, der Mühlenteich friert zu. An heißen Sommertagen genießen Hunde ein abkühlendes Bad, manche schwimmen und klettern am anderen Ufer wieder an Land. Lange bin ich mittags mit meiner leider schon vor vielen Jahren verstorbenen Hündin an der Bille spazieren gegangen und kenne noch fast jeden Baum, jede Windung, jede Böschung auf dem Weg etwa nach Wohltorf. Mittlerweile sieht man im Sommer Kanufahrer Richtung Bergedorf paddeln. In die andere Richtung, stromaufwärts, sind sogar schon Biber gesichtet worden – vermutlich dort, wo einige Bäume quer über dem Fluss liegen.

Bille Reinbek Hamburg Rechtsanwalt

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4 Kommentare bisher.


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  2. Vielen Dank für den schönen Beitrag zum Stadt-Land-Fluss-Spiel!

  3. Walter Krech sagt:

    Toll, dass Sie „zur Abwechslung“ beim Stadt-Land-Fluss-Spiel mitgemacht und die Bille als Lebens- und Erholungsraum auch vom Kanzleibetrieb beschrieben haben.
    Da mich der Artikel interessiert hatte, habe ich doch gleich auch noch Ihre Beiträge zu einigen Rechtsbereichen gelesen und wieder was dazugelernt.
    Vielen Dank aus dem Südwesten der Republik.

  4. Maria sagt:

    Ein weiterer Beweis, dass Lesen bildet 🙂 Ich wusste gar nicht, dass es ein Fluss namens Bille in Deutschland gibt und jetzt erfahre ich direkt so viel darüber.
    Viele Grüße
    Maria

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