Vom Nachbarstreit zum Wertverlust

Nachbarstreitigkeiten sind in Deutschland verbreitetet. Oft geht es um zu hoch oder über die Grenze wachsende Pflanzen, oft auch um Lärm, den Geruch oder Rauch vom Grill oder ähnliches. Manche von Außenstehenden als Kleinigkeit empfundene Streitigkeit kann den betroffenenen Eigentümer so sehr stören, dass dieser unter erheblichen Beeinträchtigungen leidet. Schlafstörungen und psychosomatische Erkrankungen sind die Folge.

In Extremfällen wird ein Nachbar sogar quasi vertrieben: So ist es schon vorgekommen, dass Eigentümer ihr Haus verkauften weil sie es mit ihren Nachbarn trotz vielleicht sogar erfolgreich geführter Prozesse dauerhaft nicht ausgehalten haben. Ein Beispielfall mit realem Hintergrund: In einem sehr schneereichen Winter schaufelte der eine Nachbar den Schnee regelmäßig auf Auffahrt und Eingang des Gartens des anderen Nachbarn, so dass dieser sich über Wochen immer wieder freischaufeln musste. Im Frühling entschlossen sich die „zugeschaufelten“ Nachbarn, das Haus zu verkaufen.

Solche Streitigkeiten unter Nachbarn können mitunter sogar einen Mangel darstellen, der beim Verkauf eines Hauses dem Käufer offenbart werden muss. Die Gerichte haben dies immer wieder entschieden. So landete vor Jahren ein Fall vor dem Bundesgerichtshof, in dem der Eigentümer einer Doppelhaushälfte seinen Käufern verschwieg, dass der Eigentümer der anderen Hälfte ihn immer wieder schikaniert hatte. In der Entscheidung ist beispielsweise von „böswilligem Auf- und Ablassen der Rolläden“ oder „sinnlosem Treppensteigen“ mit entsprechenden Geräuschen die Rede (BGH, Urt. v. 22.2.1991, V ZR 299/89). Weist der Verkäufer auf solche Probleme nicht hin, kann der Käufer unter Umständen den Kaufvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten und rückabwickeln.

Auch die Zerstrittenheit einer Wohnungseigentümergemeinschaft ist ein Umstand, auf den ein Verkäufer einer Wohnung den Käufer hinweisen muss (OLG Düsseldorf, Urt. v. 4.12.1996, 9 U 92/96). Es handelt sich um eine Beschaffenheit der Kaufsache, die den Marktwert des Kaufobjektes negativ beeinflusst. Dies kann auch zu Ansprüchen des Käufers auf Herabsetzung des Kaufpreises führen. Mancher Käufer, auf die Probleme hingewiesen, wäre wohl noch zum Kauf bereit, aber nur bei einem erheblichen Abschlag von den ursprünglichen Kaufpreisvorstellungen (sog. merkantiler Minderwert).

Streitigkeiten unter Nachbarn können daher in Extremfällen zu Wertverlusten an Immobilien führen.

Kategorien: Nachbarrecht

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