Wann darf man die Hecke schneiden?

Viele sind unsicher darüber, wann und in welchem Umfang man in der Vegetationsperiode Pflanzen zurückschneiden darf. So glauben sie irrtümlich, dass ab April ein Rückschnitt von Pflanzen überhaupt nicht mehr zulässig ist.

Das Bundesnaturschutzgesetz regelt in § 39 Abs. V S.1 Nr.2 ausdrücklich folgendes: Es ist verboten in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September Bäume, Hecken, „lebende Zäune“, Gebüsche und andere Gehölze „abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen“. Schonende Form- und Pflegeschnitte sind aber zulässig.

Doch in den einzelnen Bundesländern gibt es unterschiedliche Regelungen. Der Gesetzgeber hat den Ländern gestattet, von den Fristen abzuweichen. Daher beginnt die Frist in Schleswig-Holstein erst am 15. März zu laufen. Das benachbarte Hamburg hat durch die Baumschutzverordnung zudem Sonderregelungen getroffen. Dort ist der sogenannte Sommerschnitt aus Vogelschutzgründen erst nach dem 24. Juni zulässig.

Grundsätzlich kann man also sagen, dass auch noch nach dem 1. bzw. 15. März Schnittmaßnahmen möglich sind, sofern es sich um kleine Eingriffe in die Pflanzen handelt – bei Hecken sollte man damit bis zum 24. Juni warten.

Das vollständige Entfernen einer Pflanze einschließlich der Wurzeln kann jedoch nicht untersagt werden – sofern nicht eine Baumschutzsatzung einer Stadt oder Gemeinde entgegensteht. Man muss also auf die örtlichen Regelungen achten. Die gesetzliche Regelung des „Abschneidens“ ist nach Auffassung etwa des OLG Stuttgart nicht gleichzusetzen mit dem vollständigen Entfernen einer Pflanze aus dem Erdreich einschließlich der Wurzeln (Beschluss vom 11.12.2014, 4 Ss 569/14). Dort hatte ein Eigentümer Bäume mit seinem Traktor komplett einschließlich der Wurzeln beseitigt.

Das OLG Stuttgart meint, eine solche Maßnahme sei vom Wortlaut des Verbotes nicht erfasst, da es um ein bloßes „Abschneiden“ gehe. Diese Entscheidung mag zwar vom Wortlaut des Gesetzes noch gedeckt sein, widerspricht jedoch dem Sinn und Zweck der Norm (Vogelschutz). Es erscheint zudem fraglich, wenn der Gesetzgeber eine viel rigorosere Maßnahme (vollständiges Entfernen) erlaubt, jedoch das mildere Mittel (Rückschnitt) verbietet. Ob so eine Maßnahme zulässig ist, liegt letztlich daran, was die Baumschutzsatzungen der jeweiligen Städte und Gemeinden erlauben.

Kategorien: Nachbarrecht

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