Rowohlt verlässt Reinbek – ein Kommentar

Diese Nachricht schlug vor wenigen Wochen in Reinbek und Umgebung wie eine Bombe ein: “Der Rowohlt Verlag verlegt seinen Sitz nach Hamburg”. Die Gründe, die kommuniziert werden, zu diskutieren, macht wenig Sinn. Angeblich komme man den Mitarbeitern, von denen inzwischen die meisten aus Hamburg nach Reinbek hinauspendeln, entgegen.

Na ja. Letztlich werden derartige Entscheidungen an der Konzernspitze getroffen. Und es sind in aller Regel kühl-wirtschaftliche Erwägungen. Sollte man das kritisieren? Das wäre töricht. Reinbek ist für Stuttgart weit, sehr weit entfernt! (In Stuttgart ist der Sitz der Holtzbrinck-Verlagsgruppe, zu der Rowohlt seit 1982 gehört.) Auch der Wechsel des Rowohlt Verlags aus Hamburg nach Reinbek Ende der 50er Jahre hatte wirtschaftliche Gründe: Es waren die steuerlichen Vorteile im Rahmen der sogenannten “Zonenrandförderung”. Wer erinnert dies heute noch? Und trotzdem – der Weggang eines solchen Verlags ist für das Selbstverständnis eines Ortes eine kleine Katastrophe.

Die bedeutendsten Dichter waren in Reinbek zu Gast, denn hier sind die Lektorate zuhause. Dichtkunst geht in den Druck erst nach dem Lektorat und nicht an ihm vorbei. Und es macht eben einen Unterschied, ob in einem Unternehmen etwas hergestellt oder ob dort weltweit gehandelt wird, oder ob Bücher und damit Beiträge zur geistigen Debatte in unserem Land produziert werden. Und ein Verlag bringt sich wie selbstverständlich in das Leben einer Gemeinde ein. So hat dies auch Rowohlt gehalten.

Auch wir Anwälte arbeiten ja ‘geistig’, jedenfalls sollten wir das tun … Versuchen wir also, in Zukunft noch mehr als schon bisher, geistig anspruchsvoll zu produzieren. Auch wenn die Münze, mit der wir arbeiten, gegenüber der Dichtkunst klein, sehr klein bleiben wird.

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