Brandgefahr und Baurecht bei Fassaden-Dämmungen

Nach der fürchterlichen Brandkatastrophe am Grenfell Tower in London mit mindestens 80 Toten stellt sich auch in Deutschland die Frage nach der Sicherheit ähnlicher Gebäude. In Wuppertal hat die Stadt ein Hochhaus, das eine ähnliche Dämmung wie das Londoner Gebäude aufweisen soll, komplett geräumt. Es würde eine erhebliche Brandgefahr bestehen, teilte die zuständige Baubehörde mit. Viele Eigentümer, die Haus Fassaden nachträglich haben dämmen lassen, machen sich jetzt Sorgen. Tatsächlich ist es sinnvoll, nicht nur nach dem Rechten, sondern auch auf die rechtliche Lage zu gucken, um im Ernstfall nicht haften zu müssen.

Fachleute kritisieren bestimmte Dämmsysteme

Dabei ist das Thema nach Meinung vieler Experten nichts Neues. Feuerwehrleute verweisen seit langem darauf, dass die in den vergangenen Jahrzehnten teilweise inflationär eingebauten Wärmedämmverbundsysteme oft nicht dem nötigen Sicherheitsstandard entsprechen. Gerade Polystyrol bereitet bei Feuer erhebliche Schwierigkeiten. Erst wenige Wochen vor dem verheerenden Londoner Brand hat die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren und des Deutschen Feuerwehrverbandes sowie die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes ein Positionspapier herausgegeben: In ihm heißt es, dass die bauaufsichtliche Zulassung von Fassadensystemen oft nicht den Vorschriften der Landesbauordnung entspricht (s. etwa § 29 LBauO Schleswig-Holstein). Insbesondere würden die geltenden DIN-Normen nicht den Sockelbrand von außen berücksichtigen. Er könnte zum Beispiel durch einen brennenden Müllcontainer neben dem Gebäude ausgelöst werden. Der Verband fordert insbesondere, bei mehrgeschossigen Gebäuden, Brandriegel zwischen den einzelnen Stockwerken einzubauen, und das Erdgeschoss mit nicht brennbaren Dämmmaterialien zu versehen (Positionspapier 2017-3). In anderen Ländern, wie Österreich oder Frankreich, sei dies längst Pflicht.

Baumangel durch falsche Dämmung

Gebäude, die diese erhöhten Anforderungen an den Brandschutz nicht erfüllen, könnten einen Baumangel gem. § 633 BGB aufweisen. Zwar halten sich diese Häuser an die DIN-Norm in der Fassung bei ihrer Erbauung. Anders, als viele denken, sind DIN-Normen im Baurecht jedoch gar nicht bindend. Rechtlich gesehen sind es private technische Regeln mit Empfehlungscharakter. Besonders kritisch wird das, wenn die DIN-Normen hinter anerkannten Regeln der Technik zurückbleiben. Führen sie bei unmittelbarer Anwendung sogar zu Gefahr für Leib und Leben von Bewohnern, so spielen sie in der rechtlichen Bewertung gar keine Rolle.

Wärmedämmverbundsysteme an Fassaden jetzt überprüfen

Eigentümer eines Hauses, die die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem nachgerüstet haben , sollten also ggf. mit sachverständiger Hilfe prüfen, ob ihre Dämmung den Anforderungen an die Gefahrenminimierung entspricht. Unter Umständen bestehen noch Mängelrechte gegenüber der Baufirma, sofern nicht die vierjährige (bei Vereinbarung der VOB/B) oder fünfjährige Verjährungsfrist eingetreten ist. Diese Vorsicht spart möglicherweise nicht nur Geld, sondern kann im Ernstfall Leben retten.

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