Entscheidung im Mietrecht: kurzes Stoßlüften reicht

Mieter müssen ihre Wohnung künftig weniger lüften, um Schimmel zu vermeiden. Das hat das Landgericht Lübeck entschieden (Urteil vom 17.11.2017, Az 14 S 107/17). Demnach genügt es, wenn ein Mieter zweimal am Tag für fünf bis zehn Minuten auf Stoß lüftet.

Stoßlüftung bedeutet, dass die Fenster eines Raumes bei geschlossener Zimmertür weit geöffnet werden. Das Landgericht hält ein Querlüften nicht für zumutbar – hierbei handelt es sich um eine Lüftungsmethode, bei der die Zimmertüren geöffnet bleiben und für Durchzug durch die gesamte Wohnung gesorgt wird. Bedeutsam ist auch, dass nach der Ansicht der Lübecker Richter nicht häufiger als zweimal am Tag für die genannte Zeit gelüftet werden muss. Ebenso muss ein Mieter keinen Luftfeuchtigkeitsmessers aufstellen, um die Luftfeuchte in der Wohnung zu kontrollieren. Eine Wohnung, in der es trotz der beschriebenen Lüftungsmethode bei 55% Luftfeuchtigkeit im Winter zur Schimmelpilzbildung kommt, ist mangelhaft.

Das Landgericht verweist zu Recht darauf, dass in einem Schlafzimmer die Temperatur, anders als in anderen Räumen, nicht auf 20 Grad gehalten werden muss.  Insofern genügen im Schlafzimmer deutlich niedrigere Temperaturen. Kommt es dennoch zur Schimmelpilzbildung an Außenwänden, ist dies nicht Schuld des Mieters, sofern er zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten lüftet.

Wenn die Gefahr besteht, dass sich hinter größeren, an der Außenwand abgestellten Möbelstücken Schimmel bildet, stellt dies nach Auffassung des Landgerichts einen Mietmangel dar. Eine Wohnung muss voll möblierbar sein. Dazu gehört auch, dass hinter größeren Schränken keine Schimmelpilzgefahr besteht – selbst dann, wenn die Wandtemperatur hinter ihnen deutlich niedriger als im übrigen Zimmer liegt.

Diese Entscheidung ist in Deutschland relevant für viele hunderttausend Wohnungen, die in den Jahren 1947 bis 1978 errichtet worden sind, und keine hinreichende Außendämmung besitzen. In diesen Wohnungen gibt es meist neuere, relativ dicht schließende Kunststofffenster. Anders als früher Holzfenster ermöglichen sie keinen „natürlichen Luftaustausch“.

Wegen der Bedeutung dieses Entscheids  für viele Mietparteien hat das Landgericht die Revision zugelassen; sie ist auch bereits eingelegt worden. Der VIII. Zivilsenat des BGH wird sich also mit den vom Landgericht aufgeworfenen Fragen befassen müssen.

Kategorien: Mietrecht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.