Entlassung eines Testamentsvollstreckers aus dem Amt

Es entspricht einem verbreiteten Irrtum, anzunehmen, ein Testamentsvollstrecker (TV) würde vom Nachlassgericht überwacht werden. Das sieht das Gesetz nicht vor. Die Überwachung obliegt vielmehr den Erben selbst. Erst wenn der TV Fehler macht, kommt das Nachlassgericht ins Spiel: Erben können dann versuchen, eine Entlassung aus dem Amt zu erreichen. Die Hürden sind scheinbar hoch, da eine schwerwiegende Pflichtverletzung gegeben, dargelegt und bewiesen werden muss. Aber Vorsicht für jeden Testamentsvollstrecker: Seine Aufgaben sind so vielfältig, dass ihm schneller Pflichtverletzungen angelastet werden können, als ihm lieb ist.

Beispielsweise ist er verpflichtet, „unverzüglich“ nach Annahme des Amtes ein Nachlassverzeichnis vorzulegen. Wegen der hohen Bedeutung des Nachlassverzeichnisses für die Erben gibt es kein Pardon für den Testamentsvollstrecker, dies nicht auch „ohne schuldhaftes Zögern“ zu tun. Der TV kann sich nicht damit entschuldigen, noch Zeit zu benötigen, um die entsprechenden Informationen zusammenzutragen. Fehlen ihm Informationen (und das ist zu Beginn der TV ganz natürlich), dann muss er eben ein „vorläufiges Nachlassverzeichnis“ erstellen. Der TV, der schon dieser ersten Pflicht nicht nachkommt, bietet eine offene Flanke: Dem Erben, der danach trachtet, den TV loszuwerden, bietet sich hier eine gute und schnelle Möglichkeit, zum ver-nichtenden Stoß auszuholen und mit einem (gut und sorgfältig begründeten) Antrag beim Nachlassgericht den Testamentsvollstrecker aus dem Amt zu jagen.

Eine Antwort zu “Entlassung eines Testamentsvollstreckers aus dem Amt”

  1. […] Vor einigen Monaten hatte ich hierzu geschrieben. Zumindest im Bereich des OLG Schleswig, und damit im Land Schleswig-Holstein insgesamt, deutet sich eine „testamentsvollstreckerfreundliche“ Haltung der Gerichte an: Das OLG Schleswig hat in einem Beschluss vom 01.12.2015 (3Wx 42/15, jetzt in Heft 7 der Zeitschrift für die gesamte erbrechtliche Praxis veröffentlicht) entschieden, dass auch „… die zunächst pflichtwidrig verweigerte und erst verspätet auf gerichtlichen Hinweis erfolgte Anfertigung eines Nachlassverzeichnisses […] sich nach den Umständen des Einzelfalls noch nicht als grobe Pflichtverletzung eines Testamentsvollstreckers […] darstellen (kann)“. Die Testamentsvollstreckerin hatte im vorliegenden Fall ihr Amt am 13.08.2013 begonnen. Erst mit Schreiben vom 12.01.2015 legte sie ein Nachlassverzeichnis vor. Jedenfalls „unter den hier gegebenen Umständen“ (des hier gegebenen Einzelfalls) sah das OLG die verzögerte Erstellung des Nachlassverzeichnisses, die grundsätzlich eine Pflichtverletzung bleibe, jedenfalls für sich betrachtet nicht als grob pflichtwidrig an. […]

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