Testamentsvollstrecker und Erben – ein Spannungsverhältnis

Aus Erbensicht ist ein Testamentsvollstrecker (TV) häufig nicht eben wohlgelitten. Wen wundert es: allein der TV hat die Verfügungsbefugnis über den Nachlass. Die Erben sind zwar Inhaber der Nachlassgegenstände (sie sind z.B. Eigentümer der Immobilie), aber sie können nicht darüber verfügen. Folglich begleitet man die Tätigkeit des TV besonders kritisch. Und nicht selten trachten Erben danach, ihn loszuwerden.

Beide Seiten, also TV einerseits und Erben andererseits, tun gut daran, einander mit Verständnis zu begegnen. Dazu gehört zuvörderst das richtige Verständnis über die Rechte des anderen und die eigenen Pflichten (und nicht umgekehrt!). Viele TVs unterschätzen die strengen Pflichten, die ihnen das Gesetz im Interesse des Erhalts des Vermögens aus der Sicht nur treuhänderischer Verwaltung auferlegt. Sie sind gut beraten, die eigenen Pflichten kennenzulernen und peinlich genau umzusetzen. Erben sollten ihrerseits stets berücksichtigen, dass es der Erblasser war, der Testamentsvollstreckung angeordnet hat. Er wird sich regelmäßig etwas dabei gedacht haben. Seinen Willen zu respektieren, muss oberstes Gebot sein. Und nur vom Erblasser leitet der TV seine Rechtsmacht ab, nicht von den Erben! Sie haben keinerlei Weisungsbefugnis gegenüber dem TV, der gleichwohl klug beraten ist, die Erben bei wesentlichen Entscheidungen einzubinden. Gleich zu Beginn einer Testamentsvollstreckung sollte er versuchen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Sichere Rechtskenntnisse, eine zügige Erfüllung und Abarbeitung der Pflichten und Aufgaben, aber auch Geschicklichkeit in der Abwicklung der Testamentsvollstreckung insgesamt sind die Grundlage für eine erfolgreiche und konfliktarme Tes-tamentsvollstreckung.

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